Es ist schwer zu sagen, wann und wie es eigentlich richtg anfing. Es war wahrscheinlich mein erstes Gespräch mit meinem
indischen Geschäftspartner Dilip Chauhan, der unsere Kunden immer so fürsorglich betreut. Er erzählte mir von dem Dorf, in
dem seine Mutter aufgewachsen ist. Sie wuchs dort mit Dienern und Köchen auf und lebte am Hofe des dortigen Forts. Ihr Vater war
der Herrscher über sämtliche Ländereien im Umkreis. Nach der Enteignung der Maharadschas konnte auch Dilips Großvater die Ländereien
nicht mehr halten und sie wurden unter der Bevölkerung aufgeteilt. Dilips Mutter wurde verheiratet und zog nach einigen Zwischenstationen in Assam
und Matura später nach Jaipur. Das Fort samt seiner ganzen Pracht im Dorf verfiel und wurde den Söhnen übertragen - Dilips Cousins. Das Dorf liegt im Osten Rajasthans
auf halbem Weg zwischen Agra und Jaipur und wird von etwa 4000 Menschen bewohnt. Es gibt 5 Schulen, an denen eher schlecht als recht
unterrichtet wird - den Kindern dort bleiben wenig Perspektiven - meist enden sie bei den Eltern auf den Feldern.
Ich sah das Dorf das erste Mal im Januar 2009 und war begeistert von der Ursprünglichkeit und Herzlichkeit der Menschen dort. Ich besuchte
2 Schulen und durfte mir ein Bild von der Fort Ruine machen. Im April 2009 brachten wir das erste Mal Touristen in das Dorf mit dem klangvollen Namen
Garh Himmat Singh. Wir waren mit einer Mixt Hockeymannschaft mit 13 Personen hier, besuchten die Töpferwerkstatt am Dorfrand, den Bürgermeister und
einen alten Tempel, der unser erstes Projekt sein sollte. Wir wollten den Tempel entrümpeln und zu einer Begegnungsstätte für Jung und Alt umbauen - unabhängig
von Religion und Alter. Im Innenhof des Forts steht ein riesiger Backsteinturm - die ehemaliege Dining Hall. Wir stellten kurzerhand Tische auf und schon
war dies unser Restaurant. Das Essen war zwar etwas schärfer als in den "Touristenrestaurants", dafür aber umso schmackhafter. Auf einem Verdauungsspaziergang
durch das Dorf besuchten wir die Mädchenschule. Die Mädels sitzen dort auf dem blanken Steinboden und lauschen dem Unterricht. Die Idee einer Stiftung war geboren.
Der Name der Stiftung sollte Bua Sa sein - in der indischen Gesellschaft die große Schwester des Vaters, die auf die Kinder des Vaters aufpasst.
Wir waren also ab sofort die Bua Sa des Dorfes. Die ersten Spenden aus der Hockeygruppe erreichten uns und wir kauften einen Teppich für die Mädchenschule,
und Büchertaschen und Schuluniformen für die, die sie sich nicht leisten konnten. Wir bauten wie geplant den Tempel um und es gab ab sofort eine Stunde
am Vormittag und eine am Nachmittag freiwilligen Englischunterricht - der Lehrer der Privatschule unterstützte uns hierbei. Der Ansturm an Kindern war so
groß, dass wir irgendwo die Grenze ziehen mussten. Wir nahmen nur Kinder von der 5.-7. Klasse. 75 Kinder saßen am nächsten Tag im Unterricht - wir hätten
das Doppelte unterrichten können... Jeden Tag warteten Kinder vor der Tür, in der Hoffnung, es würde jemand fehlen...
Der nächste Besuch war im September 2009 zusammen mit meiner Mutter. Wir eröffneten offiziell den neuen Tempel zusammen mit den Kindern. Ein neues Projekt stand an - wir mussten irgendwie die Tauben aus dem Backstein Turm dauerhaft vertreiben, denn wir wollten hier ja ein Restaurant eröffnen - Fensterscheiben und Türen mussten her. Ab sofort brachten wir unsere Kunden auf dem Weg von Agra nach Jaipur zum Mittagessen in unser Dorf. Der Ertrag des Essens kam Chandus Familie (Dilips Cousin) zu Gute und ein erstes Beschäftigungsfeld war geboren.
Kurz nach Neujahr, also Anfang Januar 2010 war ich mit 2 Freunden in unserem Dorf. Kathrin hatte zusammen mit Ihrem Mann eine Stiftung in Berlin und war begeistert von unserem Projekt und versprach sofort, uns zu unterstützen. Wir besuchten außerdem die Mädchenschule und brachten ein buntes Fallschirmtuch mit, mit dem wir mit den Mädels auf dem Schulhof spielten und jede Menge Spaß hatten.
Ende Februar war ich mit einer Gruppe von 22 Reisebüros im Dorf und auch hier haben wir unseren umgebauten Tempel besucht. Die Kinder kannten mich nun schon und waren nicht mehr so schüchtern. Trotzdem berührten mich verschiedene Einzelschicksale, wie das eines 14-jährigen Mädchens, das eigentlich schon zu alt war und nicht mehr an unserem Unterricht teilnehmen konnte. Das Mädel wollte aber unbedingt lernen und stand jeden Tag vor dem Tempel, in der Hoffnung, einen Platz zu bekommen. Ihre Eltern unterhalten einen kleinen Kiosk im Dorf und die Tochter hilft nach der Schule - Lernen war da die absolut bessere Alternative. Wir nahem sie im Unterricht auf - so viel Eifer darf nicht am Alter scheitern... Unser Restaurant hat jetzt sogar Glasfenster, Tischdecken und einheitliche Teller, Gläser und Besteck... es sieht jetzt richtig stilvoll aus! Ich hatte von unserem Sponsoren BHP 2 Hockeyschläger und Trikots dabei und wir steckten 16 Jungs und Mädels in die blütenweißen Trikots und machten ein Foto Shooting. Wir wollten eine Aktion ins Leben rufen, für die wir Fotos brauchten. Zur Feldsaison sollen Poster in allen BHP Shops in Deutschland aushängen, auf denen für unser Dorf geworben wird. Für eine Spende von 5,- € kann ein indisches Kind Hockey spielen ist das Motto! Die Kinder waren eifrig mit von der Partie und wir hatten Mühe, die Trikots wieder zurück zu bekommen...
Gleich eine Woche später besuchten die Mütter von Moritz Fürste und Florian Fuchs während der Hockey WM unser Dorf und hielten dort ein Training ab. Wiederum eine Woche später, also Ende März begleitete ich eine Senioren Hockey Mannschaft der Wiener Arminen in unser Dorf. Wir hatten von unserem Sponsoren T.H.W. 100 Kinderhockeyschläger bekommen, die wir zusammen mit den Hockeyherren an die Kinder verteilt haben. Auf dem Gelände vor dem Fort wurden die Kühe vertrieben und eine Art Hockeytraining fand statt. Tatsächlich waren nach weniger als einer Stunde schon einige Talente zu erkennen. Die Kinder hatten so viel Spaß, dass sie auch die 40 Grad Hitze nicht zum Aufhören zwingen konnten. Wir versprachen, das Gelände vor dem Fort in einen Hockeyplatz umzubauen - natürlich ohne Gras, aber für den Anfang ist das ok... Die Traktoren walzen momentan den Vorplatz frei und entfernen die letzten Mauerreste. Auch für die Kühe wurde ein neues Zuhause gefunden ;o) Im Moment suchen wir händeringend Volontäre, die ab diesem Sommer mindestens 2 Monate in unserem Dorf verbringen und den Kids Englisch und Hockey beibringen! Freiwillige vor!
Wir arbeiten in Deutschland mit der Franell Stiftung, Emser Str. 9, 10719 Berlin zusammen.
Spenden nehmen wir gerne mit dem Stichwort "Bua Sa" auf folgendem Konto entgegen:
Franell Stiftung
Kontonummer 1001167079
BLZ 120300000
DKB
Projekte, die wir mit Ihrer Spende unterstützen, finden Sie auf folgender Website:
www.hockeyvillageindia.com
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Und vielleicht sehen wir Sie ja mal persönlich in unserem Dorf...
Montag bis Freitag: 9 - 18 Uhr
Termine auch nach Vereinbarung
Buchungsanfragen können Sie uns gerne per E-Mail schicken:
info@destinasia.de